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Nutzungssichere Treppen

Nutzungssicherheit

Nutzungssicherheit von Treppen, Gehsicherheit, Sicherheit, Trittsicherheit, Benutzungssicherheit; Die Nutzungssicherheit von Bauten und damit auch von Treppen und Geländern ist eine wichtige Grundlage jeder Baukonstruktion. Der Begriff der Nutzungssicherheit wurde in neuerer Zeit populär als eine der wesentlichen Anforderungen der Europäischen Bauproduktenrichtlinie an Bauwerke und Bauelemente. Im Rahmen der europäischen Harmonisierung haben die Landesbauordnungen diesen Begriff übernommen, weiters die damit verbundenen Richtlinien für eine europaweit identische Beurteilung der Eigenschaften von Bauprodukten, und die Vorschriften über die Arbeitssicherheit in gewerblichen Betrieben bzw. in Arbeitsstätten mit besonderem Anspruch an die Rutschsicherheit von Verkehrsbereichen.    Bauordnungen enthielten schon immer Generalklauseln über die sichere Ausführung von Bauten; die Landesbauordnungen haben daher in ihren Anforderungen von vornherein festgelegt, dass „Anlagen… so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten (sind), dass die öffentliche Sicherheit… insbesondere Leben, Gesundheit…nicht gefährdet werden.“ (Beispiel deutsche MBO § 3). Ferner ist beispielsweise festgelegt, dass Treppen als erster Rettungsweg im Brandfall, je nach Art der Gebäude, in Bezug auf Brandschutz und Benutzung eine bestimmte Ausstattung haben müssen. Manche Bauordnungen oder Bautechnikverordnungen enthielten (oder enthalten nach wie vor) darüber hinaus grundsätzliche Vorschriften über die Ausführung einzelner Bauteile wie Treppen und Geländer, meist ergänzt durch detaillierte nationale Normen oder bautechnische Regeln, siehe DIN 18065, ÖNORM B 5371, OIB-Richtlinie 4. Die Bauordnungen und Normen legen jedoch nur Grenzmaße für Treppen und Geländer fest, sie bestimmen also beispielsweise, wie hoch Treppensteigungen in unterschiedlichen Bauten sein dürfen, wie tief der Auftritt mindestens zu sein hat, wie breit die Treppe, wie hoch das Geländer usw. Damit ist die vom Gesetzgeber geforderte Fürsorge für die „Sicherheit der Menschen, der Haustiere und der Güter…und die Interessen des Gemeinwohls“ erfüllt, also Mindestvoraussetzungen für den durchschnittlichen Benutzer; für die Anforderungen an besonders nutzungssichere Treppen sollte man jedoch die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen, für welche einerseits die Normen, andererseits erfahrene Treppenbauer genug Informationen liefern sollten. Allgemein gilt, dass für die Nutzungssicherheit von Treppen ein bequemes Steigungsverhältnis wichtig ist, ein stabiler und griffgerechter Handlauf, und eine gute Beleuchtung der gesamten Treppenanlage; darüber hinaus eine sicher begehbare Grundrissform der Treppe bzw. bei gewendelten Treppen eine harmonische Verziehung der Stufen. Für Arbeitsstätten, Schwimmbäder usw. gelten besondere Richtlinien. Weiteres siehe auch altengerechte Treppen, Kindersicherheit, Kinderschutzgitter, sowie nachfolgender Kommentar „Grundsätze für nutzungssichere Treppen“. Nutzungssichere Treppen – wichtige GrundsätzeDie Baugesetze und Normen gewährleisten zwar die vom Gesetzgeber geforderten Sicherheitsinteressen der Menschen, sie legen aber nur Mindestvoraussetzungen fest. Um besonders nutzungssichere Treppen und Treppenhäuser zu entwerfen, sind jedoch die Normen allein nicht ausreichend, sondern es müssen sowohl die bewährten Prinzipien der Treppenbaukunst herangezogen werden, als auch die neuesten Erkenntnisse aus der Treppenforschung und Unfallforschung, also zusammengefasst der Stand der Wissenschaft und Technik. Daraus lassen sich folgende Grundsätze ableiten, die alle gleichermaßen wichtig sind:1.    Bequeme Treppensteigung mit einem ausreichenden Schrittmaß konstruieren: In den Baugesetzen sind nur die höchstzulässige Steigung und der mindestens nötige Auftritt festgelegt, also Grenzmaße. Das Schrittmaß (Schrittlänge) als Summe aus zwei Steigungen und einem Auftritt ist zwar in den Normen erwähnt, jedoch mit einer bautechnisch erforderlichen Toleranz von 59 bis 65 cm. Wir empfehlen für Wohnungstreppen als ideales Schrittmaß 63 cm, woraus sich beispielsweise ein Steigungsverhältnis (Auftritt/Steigung) von 17/29, 17,5/28, 18/27, 18,5/26 oder 19/25 cm ergibt. Bei gleichmäßig gewendelten Treppen kann dabei durchaus berücksichtigt werden, dass der Auftritt sich im breiteren Stufenbereich vergrößert. Will man mit Rücksicht auf ältere Menschen eine besonders bequeme Treppe planen, raten wir zusätzlich zur Heranziehung der Bequemlichkeitsregel (Auftritt – Steigung = 12 cm) und der Sicherheitsregel (Auftritt + Steigung = 46 cm). Alle drei Bedingungen werden gleichzeitig mit einer Steigung von 17 cm und einem Auftritt von 29 cm erfüllt. Die ÖNORM B 5372 legt nicht ohne Grund für Treppen im Freien sowie ab dreigeschossigen Wohngebäuden ohne Aufzug höchstens 16 cm Steigung und mindestens 30 cm Auftritt fest.2.    Trittsichere Stufen- und Podestausbildung: Die Gleitsicherheit der Stufenoberfläche sollte nicht durch hochglänzende Polituren vermindert werden, sondern so trittsicher wie möglich bleiben. Stufenkanten dürfen weder zu rund noch zu eckig sein, eine Kantenrundung von 4 bis 8 mm Radius ist vorzuziehen bzw. eine entsprechende Fase. Stufengleitschutzprofile können die Trittsicherheit verbessern, sie sollen jedoch nicht oder nur bis höchstens 2 mm vorstehen, oder womöglich stufenbündig eingelassen sein. Übrigens gibt es inzwischen auch Antirutsch- Stufenauflagen. Alle Stufen einer Treppe, insbesondere im An- und Austritt müssen bezüglich der Steigungen gleich hoch sein, und gegenüber den Podesten bzw. der An- und Austrittsebene sollen sich die Stufen farblich oder in der Helligkeit klar unterscheiden.3.    Gute Belichtung und Beleuchtung der gesamten Treppenanlage: Nicht nur nachts, sondern auch bei Tag und in der Dämmerung sollten alle Bereiche einer Treppe gut ausgeleuchtet sein, vor allem jede Stufenkante muss gut erkennbar sein, auch beim Beginn und am Ende des Treppenlaufes. Ein farblich gut unterscheidbarer Massiv- Anleimer an einer Holzstufe kann nicht nur optisch gefallen, er ist für das Begehen vor allem im Dämmerlicht ein wahrer Segen. Zuwenig bekannt ist übrigens, dass z. B. ein Siebzigjähriger etwa zehnmal soviel Licht benötigt, um gleich gut zu sehen wie ein Siebenjähriger! (Ab etwa Vierzig nimmt der Lichtbedarf sehr stark zu).* Eine Fenster- und Beleuchtungsplanung für die gesamte Treppenanlage wäre daher wichtig, und die Festlegung bequem erreichbarer Schalter am Beginn und Ende jedes Treppenlaufes, und/oder Bewegungsmelder.4.    Benutzungssichere Grundrissformen auswählen: Wer neu plant oder baut, kann die neuesten Erkenntnisse der Unfallforschung nützen. Inzwischen weiß man, dass auf Treppenformen, welche durch ein Podest unterbrochen sind (eine Ausnahme ist da nur die gegenläufige Podesttreppe), häufiger Unfälle passieren, als bei anderen Grundrissen. Übrigens kommen bei dieser Untersuchung ** die gewendelten Treppen überraschenderweise ganz gut weg, und ebenso überraschend ist die Erkenntnis, dass Stürze auf einer Treppe weniger in deren Verlauf passieren, sondern am Beginn des (Abwärts-) Gehens, noch viel mehr aber an dessen Ende, also kurz bevor oder wenn die untere Geschoßebene oder das Podest erreicht wird. 5.    Griffsichere und stabile Handläufe am Geländer: Vor allem das Abwärtsgehen sollte durch einen anständigen Handlauf erleichtert werden, der womöglich von Anfang bis Ende der Treppe durchgehend zu führen ist. Will man mit Rücksicht auf Ältere einen zweiten Handlauf auf der Treppe anbringen, dann sollte die besonders griffgünstige Handlaufhöhe von 80 bis 90 cm gewählt werden, welche ideal für das Abstützen von Erwachsenen während des Gehens ist.6.    Gewendelte Treppen mit einer harmonischen Stufenverziehung. Es gibt bei gewendelten Treppen entweder besonders platzsparende Grundrissformen, oder besonders günstig zu verziehende. (Wobei gewendelte Treppen ohnehin wenig Platz beanspruchen). Eine besonders harmonische Stufenverziehung kann entstehen, wenn der Antrittsarm einer Wendelung etwa so tief ist wie die im folgenden Treppenarm anschließende Wendelung bis zur Treppenmitte bei gewendelten, bzw. dem Beginn von geraden Stufen bei viertelgewendelten Treppen. Siehe http://www.treppen-abc.com/de/halbgewendelte_Treppen. Übrigens sollte berücksichtigt werden, dass die neuesten Treppen-Normen (DIN 18065/Juni 2011, ÖNORM B 5371 Sept. 2010) neue und besonders sichere Regeln für die Verziehung von Treppen festgelegt haben.7.    Und später… Blumentöpfe und Raumschmuck bitte nicht in Verkehrsbereiche. Dazu zählt nun einmal die Treppe, und obwohl zierende Gegenstände eine Treppe durchaus verschönern können, sollte man nicht vergessen, dass in der Realität des Wohnens ohnehin genug vor oder auf den Stufen liegt, was eben nur schnell mal zum späteren Weitertransport vorgesehen ist. (Und länger als nötig liegen bleibt…) Das sollte nicht durch ständige Hindernisse zusätzlich vermehrt werden.8.    Treppenhausfenster bequem verschließbar und sicher zu reinigen: Sowohl auf einen bequem erreichbaren Schließmechanismus als auch eine sichere Reinigungsmöglichkeit von Treppenhausfenstern sollte zur Verringerung der leider häufigen Haushaltsunfälle geachtet werden. Eine hochwertige Teleskopleiter bzw. Treppenleiter mit verstellbaren Sicherheitsfüßen, oder Reinigungsgeräte mit Teleskopgriffen sind zu empfehlen. * Aus einem Vortrag von J. M. van Bommel/ Eindhoven und M. Fassian/ Springe, beide Philips- Licht, anlässlich der lichttechnischen Fachtagung Mai 2003 in Graz. (Tabelle über den Zusammenhang zwischen Alter und der benötigten Lichtmenge zum Lesen eines gut gedruckten Buches, Quelle G. J. Fortuin „Visual power und visibility“ Philips Research Report 6, 1951)**Aus einem Vortrag über Unfälle auf Treppen von Thomas Götte, Berufsgenossenschaft Bonn, anlässlich des Treppenmeister-Fachkongresses „Sicherheit von Treppenkonstruktionen“ März 2006 in Fürth.